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Bilder v. l. n. r.: Markt Thurnau, Gössweinstein, Wiesentthal
Eines der landschaftlichen und auch fahrerischen Highlights Oberfrankens ist die Fränkische Schweiz. Hier reihen sich die Kurven wie Perlen auf einer Kette aneinander, von den Hügeln grüßen zahlreiche Burgen und Schlösser und in den anmutigen Tälern gibt es die weltweit größte Dichte an Brauereien.
So hoch wie bei den Eidgenossen geht es hier zwar
nicht, aber dennoch darf man ihre kurvigen Strecken als Traumstrassen
bezeichnen.
Motorrollertreffen finden immer bei strahlendem Sonnenschein statt -
immer? Nein, die Realität sieht manchmal anders aus. Als wir in unserem
Hotel in Bayreuth ankommen regnet es. Stundenlang fällt der Landregen.
Das ändert sich auch am nächsten Morgen nicht. Der Regen lässt nur
wenige Hartgesottene tatsächlich zu einer kurzen Ausfahrt aufbrechen. Da
ist die Besichtigung des Brauerei- und Büttnereimuseum der Brauerei
Gebrüder Maisel in Bayreuth eine echte Alternative. Die alte Brauerei
aus der Gründerzeit wurde als "Museum zum Anfassen" erhalten. Hier
funktionieren Maschinenhaus, Sudhaus und Büttnerei so, als wären die
Brauer und Büttner mal eben zur Mittagspause gegangen. Mit einem
leckeren Hefeweizen gestärkt geht es dann hinab in die faszinierende
Welt der Felsenkeller. Diese zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in den
Sandstein getriebenen, verwinkelten Gänge unter der Stadt Bayreuth
bieten den Charme einer schier endlosen Gruft. Unheimlich spannend und
zugleich auch skurril. Die Katakomben wurden früher als erstklassige
Kühlkeller für Bier genutzt und die Bevölkerung zog sich in drangvoller
Enge während der Bombenangriffe auf die Stadt im April 1945 hierher
zurück.
Am nächsten Tag ist es weiterhin bewölkt, aber wenigstens hat der
Regen aufgehört. Man merkt kaum, dass es Mitte Mai ist, denn die
Eisheiligen haben das Frankenland fest im Griff. Die Sonne hat ihren
Kampf mit der Kälte verloren. 6 Grad sind angesagt, doch das soll uns
heute nicht schrecken. Gleich vor den Toren Bayreuths warten die ersten
kleinen Nebenstrecken mit ihren verlockenden Kurven. Dunst schwebt noch
über den Wiesen und Tannen und Tropfen glitzern in den Spinnennetzen
rechts und links der Strasse. Nach wenigen Kilometern erreichen wir den
romantischen Töpferort Thurnau am Rande der Fränkischen Schweiz.
Beeindruckend ist das Schloss Thurnau im historischen Ortskern mit
seinem Brückengang zur St. Laurentius Kirche hoch über der Straße.
Das schmale Teerband führt uns zwischen Wald und Feldern hindurch in
das idyllische Kleinziegenfelder Tal. Ein wunderschönes Flusstal mit
felsigen Anhöhen, Burgen, romantischen Fachwerkdörfern und zahlreichen
Mühlen. Die Seiten des Tales werden von hoch aufragenden Kalksteinfelsen
gebildet, auf denen bunt gekleidete Sportler kraxeln. Die Fränkische
Schweiz ist Kletterrevier.
In weit geschwungenen Kurven entlang des Weismains durchfahren wir
das Tal; bei Arnstein führt uns das Sträßchen durch die Wacholderheide
an schroffen Felsformationen entlang und biegt bei Scheßlitz, einem
alten, fachwerkreichen fränkischen Landstädtchen am Westrand der
Juraberge in Richtung Würgau ab. Hier liegt der Würgauer Berg, der
Jahrzehntelang als Bergrennstrecke bekannt war. Die Strasse wandelt sich
fast zur alpinen Trasse und zieht in breiten Kehren den Berg hinauf.
Die Freude währt nur kurz, denn bald darauf werden wir zu
Blümchenpflückern. Kilometer über Kilometer tuckern wir hinter einem
Fahrschulfahrzeug mit vorausfahrendem Motorradfahrschüler her. Keine
Chance mit der Gruppe zu überholen. Ich meine, man muss zwar nicht
rechts ran fahren - aber man kann, wenn man denn will und nett wäre es
auch. Der Fahrlehrer ist nervenstark und nett will er offenbar auch
nicht sein. Wir sind froh, als wir endlich abbiegen können.
Linkskurve, Rechtskurve, Linkskurve - so geht es zwischen dicht
bewaldeten Berghängen durchs enge Tal ins Dorf Wiesentfels. Der Ort wird
überragt von der Burg Wiesentfels, die auf einem 40 Meter hohen Felsen
über dem Tal steht. Eine Straße führt steil den Berghang hinauf. Hohe
Mauern schirmen den Privatbesitz jedoch vor neugierigen Blicken ab. Im
ruhig dahin fließenden Flüsschen Wiesent tummeln sich Kanu- und
Kajakfahrer; ein Paddelparadies. Wir folgen dem Flusslauf und reichlich
kurvige Kilometer weiter, in Freienfels, erhebt sich gut sichtbar über
dem Ort das von den Herren von Aufseß begründete Schloss. Es ist vom Tal
durch steil abfallenden Fels und von der Bergseite durch zwei Gräben
geschützt. Diese Burg nimmt unter den Rittersitzen des Wiesenttales eine
besondere Stellung ein, sie steht auf freiem Grund und Boden, auf einem
"freien Fels".
Nach soviel Kultur ist jetzt erst einmal Brotzeit angesagt -
natürlich im angesagten Bikertreff Kathi Bräu in Aufseß. Lt.
Guinness-Buch hat die 1.500-Seelen-Gemeinde die höchste Brauereidichte
der Welt. Das hier jetzt gerade mal eine Handvoll Zweiräder parkt, mag
an der Kälte liegen. Das rustikale Anwesen und der weite Blick über die
Höhen übt seinen eigenen Charme auf seine Besucher aus und sogar die
Sonne blinzelt zaghaft zwischen den Wolken hindurch. Die beste Sozia der
Welt erinnert mich mit Sorgenfalten auf der Stirn lieber schnell daran,
dass sich Biertrinken und Rollerfahren nicht wirklich zeitgleich
vertragen. Eine herzhafte Gulaschsuppe und eine (alkoholfreie) Maß Bier
stärken uns für den weiteren Tag, ehe wir erneut im Grün der Landschaft
untertauchen.
Auf kleinen Dorfstraßen schwingen wir durch das obere Wiesenttal und
passieren das kleine mittelalterliche Städtchen Waischenfeld, das von
einem wuchtigen Rundturm, dem „Steinerne Beutel“ überragt wird. Fachwerk
und altes Gemäuer lassen die kleine Gemeinde wie ein Freilichtmuseum
wirken. Es ist eine abgeschiedene Gegend, trotzdem begegnen uns immer
wieder andere Zweiradfahrer. Ganz in der Nähe liegt auch Burg Rabeneck
mit herrlicher Aussicht.
Auf einem Hochplateau über dem Ailsbachtal, an der Burgenstraße
gelegen, treffen wir auf Burg Rabenstein. Tipp: die Flugshow in der
Falknerei anzusehen und dann in der urigen Gutsschenke einen Cappuccino
zu genießen.
Wir folgen der Wiesent in Richtung Gößweinstein, wo wir einen kurzen
Seitenblick auf die Barockbasilika werfen und freuen wir uns über die
knackigen Kurven, die der Fluss vorgibt.
Nur wenige Kilometer weiter rollen wir durch ein weiteres
städtebauliches Kleinod, Pottenstein. Hoch über dem Dorf thront die
1.000-jährige Burg, die älteste Festung der Fränkischen Schweiz auf
steilem Fels. Die historische Altstadt liegt idyllisch eingebettet
zwischen den Jurafelsen.
Nicht weit von Pottenstein entfernt machen wir auf dem 587 m hohen
Neubürg noch eine kurze Rast. Hier, auf einer einstigen heidnischen
Kultstätte, laden 10 Kunstwerke zu einem Rundgang um das Hochplateau
ein. Die Tour führt uns durch das weite, beschauliche Ahorntal mit
seinen satten Wiesen und Wäldern zurück nach Bayreuth, wo wir bei einem
leckeren Bierchen unsere Traumtour durch die Fränkische Schweiz
gemütlich ausklingen lassen. Es war sicherlich nicht das letzte Mal,
dass wir dieser fantastischen Landschaft unsere Aufwartung gemacht
haben.
Bilder unter www.motorroller-info.de
(c) Text/Bilder: Ralf Beelitz


