Reisen mit dem Motorroller - Naturpark Rhein Taunus
Dort, wo der Rhein seinen nordwärts gerichteten
Lauf für kurze Zeit gen Westen unterbricht, liegt der Naturpark
Rhein-Taunus. Dichte und lichte Wälder wechseln sich mit Wiesen, Feldern
und Weiden ab. Diese romantische und waldreiche Gegend zählt zu den
schönsten deutschen Mittelgebirgslandschaften.
Über Neuhof und Platte erreichen wir den Tier- und Pflanzenpark
Fasanerie im Nordwesten der Landeshauptstadt Wiesbaden. Der Park, der
auf eine fast 200-jährige Geschichte zurückblickt, bietet ca. 50
Tierarten, darunter zahlreichen heimischen Wild- und Haustieren, ein
Zuhause.
Um uns herum nur Wiesen und Wald. An der Gaststätte Chausseehaus
holpern wir über einen Bahnübergang und die Strasse schickt sich an, die
Taunushöhen zu erklimmen. Ein Schild deutet eine Steigung von 13 % an,
was wohl auch den Tatsachen entspricht. Der Wald wird so dicht, dass er
wie ein Tunnel um die Straße liegt. Nach 3 Kilometern gehen sowohl Wald
als auch Steigung zurück und wir überqueren die Passhöhe der „Hohen
Wurzel“ auf 570 m Höhe.
Wir passieren den Freizeitpark „Taunus Wunderland“ auf den Anhöhen
des Taunus, ehe wir in das Wispertal abtauchen. Das Wispertal in der
Nähe von Bad Schwalbach, eine der schönsten und waldreichsten
Landschaften in
Hessen, zieht sich wildromantisch quer durch das
Rheingauer Gebirge. Im Mittelalter war dies ein bedeutender Verkehrsweg,
wie die Burgruinen Kammerburg und Lauksburg bezeugen. Mit dem
Motorroller oder Motorrad durch das Wispertal zu wedeln ist ein
landschaftliches Erlebnis, vorausgesetzt es ist nicht gerade Sommer und
alle sind unterwegs. Das Wispertal ist 28 Km lang, die Kurven ungezählt.
Schmal und kurvig, gesäumt von hohen, dunklen Tannen, schlängelt sich
die enge Straße im Licht und Schattenspiel am Wild- und Forellenbach
Wisper entlang. Auf Grund des teilweise leider schlechten Teerbelags ist
die Geschwindigkeit überall auf 60 km/h beschränkt. Eine Baustelle
zwingt uns zu einem kleinen Umweg ins Örtchen Strüht. Hier liegt das
Kloster Schönau. Ein Atem der vergangenen Jahrhunderte liegt über den
Klostermauern und lädt zur Einkehr und Ruhe ein und ganz nebenbei wird
uns noch eine tolle Aussicht über die Höhenzüge des Taunus beschert.
Das letzte Stück fahren wir durch den (ehemaligen) „Freistaat
Flaschenhals“, der sich zwischen Kaub und Lorch bis
weit ins Wispertal
erstreckte. Ein schmales, flaschenhalsähnliches Gebiet, welches in den
Jahren 1919 -1923 eine kurze politische und höchst skurrile
Eigenstaatlichkeit erlangte. Der Freistaat prägte sein eigenes Geld, was
noch heute die Augen von Sammlern glänzen lässt. Hier liegt auch die
Laukenmühle, wo wir eine Kaffeepause einlegen.
Kurz darauf biegen wir ins schöne kurvige Sauertal ab. In
zahlreichen kleinen Kurven zieht sich die Nebenstrecke den Hang hinauf.
Unterwegs öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf die imposante
Sauerburg, eine mächtige Anlage aus dem 14. Jahrhundert, frei.
Wir durchfahren Ransel und Weisel und erreichen in Kaub das
Rheintal, welches hier mit seinen steilen, rebenbesetzten Berghängen
sowie den wie Perlen entlang einer Schnur auf den Felsvorsprüngen
aufgereihten Höhenburgen als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft
gilt. Unterhalb der Loreley, dem berühmten Felsen mit blondgelockter
Schönheit am engen Rheindurchfluss, in dessen Felsspalten die
Talbewohner in früheren Zeiten Zwerge, Nymphen und Berggeister
vermuteten, schwingen wir auf gut ausgebauter Strasse rheinabwärts. In
Wellmich verlassen wir das Rheintal. Nicht zu enge, geschwungene Kurven,
die wunderbar zu fahren sind, geleiten uns auf die Taunushöhen. Auf den
verkehrsarmen Strassen können wir jetzt auch einmal die Gashand
arbeiten lassen, bis schließlich in Braubach die markante Marksburg,
eine der schönsten deutschen Burgen und außerdem die einzige noch
niemals zerstörte Höhenburg am gesamten Mittelrhein, vor uns auftaucht.
Über Lahnstein erreichen wir Bad Ems, einen an der Lahn gelegen
Kurort mit bedeutender Bäderarchitektur und mit Wurzeln als römische
Garnisonsstadt zum Schutz des Limes. Die Lahn mit ihren stillen,
naturbelassenen Auen zieht sich wie ein blaues Band durch das malerische
enge Tal. Wir passieren die Oranierstadt Nassau, überragt von der
Stammburg Nassau. Liebenswerte Altstädte mit malerischen Fachwerkhäusern
säumen unseren Weg. Zu Füßen von Kloster Arnstein, eingebettet in eine
grüne Flusslandschaft zwischen bewaldeten Bergen und steilen Rebhängen
liegt Obernhof, als die Perle des Lahntals bezeichnet.
Wunderbar geschwungene Serpentinen führen uns hier erneut auf die
Berghöhen. In der Nähe von Holzhausen machen wir einen Abstecher zur
Hollermühle, mitten im Wald im romantischen Hasenbachtal, wo wir als
erstes von einem einsamen Esel begrüßt werden. Stress und Lärm scheinen
hier weit weg zu sein. Der ideale Platz für eine geruhsame Pause für
Fahrer und Maschinen, ehe es zurück nach Idstein geht.