S.W.A.T - 2007 Pyrenäen
Motorroller-Tour durch Andorra und die Pyrenäen
>>Wir fahren los – besser gesagt : wir lassen fahren<<
Auf Grund der langen Anreise haben wir – 6 Silverwinger und ein
Burgifahrer - beschlossen, die 1. Etappe mit dem Autozug zu bestreiten.
Bei leichtem Nieselregen werden unsere Roller in Kornwestheim auf den
Autoreisezug verladen und gegen 22.00 Uhr geht es unserem Ziel Narbonne
/ Frankreich entgegen. Uwe spendiert zur Feier des Tages noch eine
Flasche Wein. Anschließend hauen wir uns in die schmalen Kojen. Der
Wein macht schläfrig und das gleichmäßige Rattern des Zuges tut sein
übriges.
>>Andorra wir kommen<<
Wir sind noch etwa 1 Stunde von Narbonne entfernt. Draußen rauscht
in der Morgensonne die Camargue an uns vorbei. Noch sind keine Berge in
Sicht. Das soll sich schleunigst ändern. In Narbonne schnell die
Motorroller vom Zug geholt. Der Burgman 650 von Ralph hat einige
Blessuren. Das Windschild ist eingerissen und der Tankdeckel fehlt.
Beides hat dem Winddruck der Zugfahrt nicht widerstanden. Da die Roller
rückwärts fuhren und die Verladehelfer es versäumt hatten, die Scheibe
zu sichern ( es sind hierfür spezielle Sicherungen vorhanden ), hat
beides den Winddruck der Zugfahrt nicht widerstanden. Ein Fall für die
Versicherung.
Wir möchten so schnell wie möglich südwestlich in die Berge nach
Andorra kommen und nehmen daher bis Perpignan die Autobahn, um
anschließend unseren Weg auf kleinen Nebenstrassen fortzusetzen. Auf
der C151 überqueren wir den 1.518 m hohen Col d'Ares, der gleichzeitig
die Grenze zu Spanien darstellt. Hier machen wir auch unsere erste
Rast. Weiter geht es nach Ripoll. Dort begrüßt uns auf der N152 ein
Schild mit der Aufschrift 40 (!) km Kurven. Die Strecke über den
Collada de Toses (1.800 m) ist ein Genuss. Der Traum wäre beinahe
geplatzt, als pötzlich vor mir ein Jagdhund über die Strasse saust. Nur
knapp kann ein Zusammenstoss verhindert werden. Das ABS der Siwi hat
sich gelohnt.
Schließlich erreichen wir Andorra mit der Hauptstadt Andorra La
Vella. Potthässlich ist es hier. Rechts und links der Straße reihen
sich Einkaufszentren, Supermärkte und Factory-Outlets aneinander. Es
gibt unzählige Tankstellen und Unmengen von Fahrzeugen, die sich durch
das kleine Tal zwängen, verpesten die Luft. Wir sind froh, als wir
endlich dem Stau entronnen sind und unser Ziel, das Hotel Residencia
Aldosa in L`Aldosa/Massana erreicht haben. Dieses ist unsere Unterkunft
für die nächsten 3 Tage. Im Hotel gibt es eine gemütliche Bar, ein
Restaurant und einen Aufenthaltsraum mit offenem Herd. Inneneinrichtung
des Hotels ist im alten andorranischen Stil gehalten. Unsere Zimmer
sind klein, aber gemütlich und das Abendessen ist sehr lecker.
>>Kurventraum : Port d'Envalira - Col de Pailhères - Col de Puymorens <<
Unsere Tour geht heute über die N145 in Richtung Norden. Die
französische Grenze liegt kurz hinter dem kurvenreichen Port
d'Envalira, dem mit 2.407 m höchsten durchgängig asphaltierten
Pyrenäenpass. Serpentinen an Serpentinen reihen sich moderat ansteigend
aneinander. Hier hat Ralph ein für ihn ernüchterndes Erlebnis - er wird
von einem Kleintransporter überholt. Sein Trost : „Ein Einheimischer,
da habe ich bei 120 km/h am Berg keine Chance“. (Anm:..ehrlich gesagt,
die Siwis mussten auch daran glauben).
Auf ca. 2000 m Höhe, im Dorf Pas de la Casa, legen wir einen
kurzen Tankstopp ein. Der Ort ist vollgestopft mit Duty Free Shops,
Autos und Touristen. Wir durchqueren das Dorf und erleben kurz danach
ein tolles Naturschauspiel. Eine strahlend weiße Wolkenbank hat sich
vor uns in das Tal gelegt, woraus nur die Berggipfel herausschauen. Ein
grandioser Anblick. Unsere Route führt uns auf idyllischen kleinen
Strassen weiter nach Ax-les-Thermes, einem der zahlreichen Thermalbäder
der Pyrenäen. Wir stecken unsere Füße in das heiße Wasser des "Bassin
des Ladres". Später entdecken wir eine Tafel, wonach König Ludwig IX im
Jahr 1260 das Becken zur Behandlung leprakranker Kreuzritter errichten
ließ. Na ja, vielleicht hilft es ja auch gegen Fußpilz.
Vor uns liegt jetzt der Col de Pailhères. Er ist mit seinen 2.001
m einer der vier 2000er der Pyrenäen. Die 32 km
lange Passstraße,
insbesonders die Ostabfahrt mit den engen, an den Hang geklebten
Serpentinen, ist Fahrspaß pur. Im Schatten eines kargen, von Kiefern
bewachsenen Felskegels, auf dessen Rücken eine Burgruine der Erosion
freigegeben ist, erreichen wir schließlich die D118, welcher wir in
Richtung Süden folgen. Am Lac de Matemale müssen wir unfreiwillig eine
kleine Pause einlegen, da uns Michael bei einem Fotostop abhanden
gekommen ist. Mit Hilfe unserer Funkgeräte findet er jedoch wieder den
Anschluss. Über den Col de la Quillane (1.714 m) und über den Col de la
Perche (1.574 m) führt uns der Weg nach Bourg-Madame, direkt an der
spanischen Grenze. Im Ort geht es rechts ab auf der N20 zum Col de
Puymoren (1.920 m). Die Auffahrt schlängelt sich wie ein Band an den Berghängen entlang. Oben angekommen ist die Aussicht atemberaubend. Auf
dem Pass weidet eine mehr oder weniger wilde Herde Pferde, die so
manchem vorbeikommenden Auto- und auch Motorrollerfahrer die
Weiterfahrt schwer macht. Auch uns stellt sich eine Stute mit ihrem
Fohlen quer auf der Strasse in den Weg und lässt sich stur nicht dazu
bewegen, diese zu verlassen. Erst als ein LKW kommt macht sie Platz.
Wieder über den Port d'Envalira geht es dann zurück nach Andorra.
>>Ich habe Rücken<<
Während die restliche Truppe wieder zu einer Tagestour in Richtung
Spanien aufbricht, bleibe ich am nächsten Tag zum Ausspannen im Hotel –
ich habe „Rücken“.
>>Die Hochpyrenäen<<
Ortswechsel ist angesagt. Wir verlegen unser Quartier in das ca.
220 km entfernte Bagnères-de-Luchon in den Hochpyrenäen. Einige von uns
haben jetzt 4 „Ogas“ - große grüne Stoffpuppen ( bekannt aus dem Film
Shrek) - als Sozia bekommen, welche auf den Beifahrersitzen Platz
genommen haben und die bei den Passanten von nun an stets ein
Schmunzeln hervorrufen.
Wir folgen der N145 in Richtung der alten Bischoffsstadt La Seu
d`Urgell, um dann bei Adrall auf die N260 zu wechseln. Schon schraubt
man sich auf der ersten Passstraße nach oben. Auf kurvenreicher Höhe
geht es über den „kleinen“ Collado del Canto (1.600 m) nach Sort. Der
Collado del Canto liegt im katalonischen Teil der Pyrenäen. Der rote
Sandstein der Westabfahrt macht diesen Pass zu einem schönen Erlebnis.
Dem Vall d`Aneu folgend erreichen wir bald den Port de la Bonaigua
(2.072 m). Von Esterri aus steigt die wenig befahrene, schmale Straße
in die Höhe. Der Schlussanstieg bietet zahlreiche Serpentinen und
Steigungen und phantastische Blicke auf das eben durchfahrene Tal. Der
Pass an sich ist unspektakulär. Die ersten Kilometer der nun folgenden
Abfahrt sind aufgrund des Straßenbelags etwas abenteuerlich.
Von Vielha aus folgen wir der N230 nach Norden und biegen kurz vor
Bossòst links auf die N618 ab. Diese kleine Strasse führt uns über 14
km kurvenreich zum Col du Portillon (1.293 m). Auch wenn die Auffahrt
und die Passhöhe meist im Wald liegt, eröffnen sich doch bisweilen
schöne Ausblicke ins Tal der Garonne. Kurz darauf erreichen wir
Bagnères-de-Luchon. Zahlreiche Hotels, schattige Alleen und im
Hintergrund der Gipfel des Pic de Cécire prägen das Bild des Ortes.
Unser Hotel befindet sich im Herzen des Kurortes, am Anfang der Allées
d'Etigny, der "Champs Elysees" von Luchon. Unsere Zimmer liegen im 4.
Stock, sodass wir fast die Uhr der Kirche auf der anderen Straßenseite
stellen können.

>>Pässemarathon<<
Es steht einer der Höhepunkte unserer Tour an. Ziel sind die
höchsten und wildesten Gipfel der Pyrenäen. Nach 15 km erreichen wir
als Einstieg den Col de Peyresourde (1.563 m). Ein klangvoller Name,
der leider nicht hält, was man sich von ihm verspricht. Der Gipfel ist
karg. Wir sind knapp über der Baumgrenze. Lediglich die letzten
Kilometer beider Seiten sind wirklich schön.
Auf unserer Fahrt zum Col d`Aspin durchqueren wir den alten
Verkehrsknotenpunkt Arreau. Im Stadtzentrum ist eine alte Markthalle
mit ockerfarbenen Wänden im Fachwerkstil sehenswert. Wir überqueren auf
einer blumengeschmückten Brücke den Fluss Neste und machen uns an den
Aufstieg zum Col d`Aspin. Eine 12 km lange, schmale und wellige Strecke
führt uns kurvenreich hinauf auf den Pass (1.489 m). Strassenmalereien
von Radfans kündigen den nahen Gipfel an. Von hier aus ist in der Ferne
das weiß leuchtende Observatorium am Pic du Midi de Bigorre zu sehen.
Wir werden von einer Kuhherde und Ziegen begrüßt und über uns kreisen
tatsächlich mehrere Geier. Man fühlt sich erstmals richtig im
Hochgebirge.
Die Strasse schlängelt sich sich jetzt abwechslungsreich den Berg
hinab, dem nächsten Ziel entgegen. Der Col du Tourmalet liegt auf der
Nordseite der Pyrenäen an der D918. Er ist einer der Klassiker der
Rundfahrt Tour de France und mit 2.115 m zugleich höchster
französischer Pyrenäenpass. In Sainte-Marie-de Champan biegen wir in
das Vallée de Grip ab. Zunächst recht eintönig steigt die Straße meist
geradlinig an. Ab Artigues öffnet sich die Straße und steigt
kurvenreich bis La Mongie, einer ziemlich hässlichen Retortenstadt.
Geschützt durch Galerien geht es dem Massif de Néouvielle entgegen.
Über baumlose Almmatten in weiten Kehren inmitten einer hochalpinen
Landschaft erreicht man den felsigen Gipfel, wo man man von einem
überdimensionalen silbernen Radlerhinterteil begrüßt wird.
Wir machen das obligatorische Foto und fahren weiter. Auf der
Westseite erweist sich die Fahrbahn als sehr glatt, sodass Vorsicht
geboten ist. An einigen Stellen ist Bitumen ausgetreten. Während einige
von uns nun lieber den Tag an einem der schönen Bergseen ausklingen
lassen wollen, möchten Uwe und Ralph noch 2 weitere Pässe bezwingen –
wer weis, wann man wieder einmal hier ist. Hinter dem Marktplatz des
Städtchens Argelès-Gazost beginnt die Strasse zum Col d`Aubisque
hinauf. Steile Kurven schnüren sich zum Ende hin zu und uneinsehbare
Biegungen und unbeleuchtete Tunnel verlangen fahrerisches Können. Vor
dem Ziel liegt noch der Col du Soulor (1.474 m). Auf der Passhöhe gibt
es einen schönen Ausblick auf die kommenden Kilometer zum Col
d`Aubisque und die umliegenden Berge. Diese haben es in sich. Wie
eingemeißelt in den Berg schlängelt sich die Strasse am Abgrund entlang
hinauf
bis schließlich der Gipfel des Col d`Aubisque in 1.709 m Höhe
erreicht ist.
>>Geh nie sonntags um 20.00Uhr zu Mc Donalds<<
Ich habe wieder „Rücken“. Während die anderen noch einmal durch das
Valle de Bielsa nach Spanien touren, breche ich am Nachmittag schon
einmal auf direktem Wege zur letzten Station unserer Reise auf. Auf der
E80 geht es recht eintönig in Richtung Norden. Es kommt bei mir keine
rechte Freude auf, als die liebliche Stimme meines Navis mir mitteilt:
„ 147 km geradeaus, dann rechts abbiegen“. Lichtblicke sind lediglich
die Sonnenblumenfelder vor Toulouse. Gegen Abend erreiche ich unsere
Unterkunft „Formule1“ in Carcassonne. Gerade noch rechtzeitig, bevor
ein furchtbares Gewitter losbricht. Als sich der Hunger bei mir meldet
beschließe ich, in das nahegelegene McDonalds Restaurant zu fahren. Wie
sich herausstellt, ist dies keine glückliche Entscheidung, da offenbar
ganz Frankreich denselben Einfall hat. Der Parklatz ist völlig
überfüllt, die Fahrzeuge stehen noch 200 m an der Strasse entlang und
vor den Kassen befinden lange Schlangen. Chaos ohne Ende. Es werden nur
Großeinkäufe in riesigen Tüten getätigt. Das Mädchen hinter der Theke
schaut mich ungläubig an, als ich nach 30 Minuten Wartezeit lediglich
einen Big Mac bestelle.
>>Ausflug ins Mittelalter<<
Ich erwarte meine Mitfahrer erst heute Nachmittag. Zeit genug also,
mir die Altstadt von Carcassonne, die von zwei Mauerringen umgeben ist,
anzuschauen. Die „Cité „ von Carcassonne gilt als die einzige erhaltene
mittelalterliche Festungsstadt Europas und ist Weltkulturerbe der
UNESCO. Bereits aus der Ferne sieht die Festungsstadt überwältigend
aus. Also den Wegweisern «La Cité» folgen, Seitenständer raus, über die
Zugbrücke am Port Narbonnaise und in die engen und verwinkelten Gassen
mit ihren alten Häusern eintauchen. Von den unzähligen Bauwerken ist
die riesige Kathedrale, die Basilika St. Nazaire und das Château Comtal
besonders beeindruckend. Bei einem Spaziergang durch die „Cite“, fühlt
man sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Zu so früher Stunde (ca. 9
Uhr) ist noch angenehm wenig los und auch die Souvenirläden, Cafés und
Restaurants beginnen gerade erst nach und nach aufzumachen.
Am frühen Abend treffen dann auch die anderen ein. Eine
Reifenpanne mitten in der tiefsten französischen Provinz hatte sie
aufgehalten. Glücklicherweise hatte Uwe noch einen günstig in Andorra
erworbenen Ersatzreifen dabei, sodass – nachdem endlich eine Werkstatt
gefunden war und diese ihre Mittagsruhe beendet hatte – der Schaden
behoben werden konnte.
>>Heimat wir kommen<<
Heute geht es wieder zurück. Letztmalig genießen wir den Asphalt
der kleinen Strassen in Richtung Narbonne und die südländische
Landschaft. Noch ein kurzer Abstecher ins Zentrum von Narbonne, dann
geht es schon zur Rollerverladung.
Wir kommen am nächsten Morgen mit Verspätung in Kornwestheim an -
die Heckklappe eines Pkws hatte sich während der Fahrt geöffnet, sodass
wir in Frankreich 2 Stunden auf einem Bahnhof verbringen mussten, bis
der Strom der Oberleitung abgeschaltet war und die Klappe geschlossen
werden konnte.
Ach ja, es regnet seit 10 Tagen erstmals wieder – wir sind zuhause.
>>Unterkünfte<<
Hotel Residencia Aldosa / Andorra, L`Aldosa La Massana,
Einzelzimmer 44 € HP
Homepage: www.hotel-aldosa-andorra.com
Hotel Panoramic, 31110 Bagnères-de-Luchon /Frankreich
Einzelzimmer 40 € zzgl. 8 € Frühstück
Homepage: www.hotelpanoramic.fr
Hotel Formule1, Carcassonne
Einzelzimmer 34 € zzgl. 4 € Frühstück
Homepage: www.hotelformule1.com
>>Infos, Karten, Literatur<<
Ziel : Französische u. spanische Pyrenäen und Andorra
Zeit : 25.06. – 04.07.2007
Motorroller : 6 Honda Silver Wing FJS 600
1 Suzuki Burgman An 650
Hin- und Rückfahrt :
DB-Autozug Stuttgart/Kornwestheim – Narbonne, Liegewagen,
Fahrpreis/Person 119 € ( 5er Abteil, Sonderpreis ) einschl. Motorroller
Tourlänge : 2.600 km
Karten :
Pyrenäen & Andorra 1:250.000
RV Euro-Regionalkarte 1:300 000 Costa Brava - Costa Dorada, Katalonien, Andorra (Landkarte)
RV Verlag, ISBN-13: 978-3575112712, 7,50 €
Literatur : Lust auf Pyrenäen
Highlights-Verlag , ISBN-13: 9783933385185 , 11,00 €
Tourbilder : http://www.peter-mertens.medion-fotoalbum.de und http://www.motorroller-info.de