S.W.A.T - Silver Wing Alpentour
Reisebericht einer Tour begeisterter Motorrollerfahrer durch die schweizer und französischen Alpen.
Wenn man über 50 ist, ist man jedoch offensichtlich nicht immer
richtig einsichtsfähig und so kam es, dass ich mich wenige Tage vor der
S.W.A.T. doch entschloss, zumindest die Anreise mitzumachen. Über das
Internet klappte es sogar, fast alle Unterkünfte nachzubuchen und es
konnte losgehen.
Start der “Anreisetour” war Donaueschingen, wo ich mich mit den
Silverwingern Traudel, Wolfram und Günni ( wohnt in Donaueschingen )
traf.
Montag, 03.07.2006
Anreise in den Schwarzwald. Da Donaueschingen fast 600 km von
Nettetal entfernt liegt, lege ich vorsichtshalber eine
Zwischenübernachtung in Worms ein. Hier finde ich kurzfristig in einem
zentral gelegenen Hotel noch eine Unterkunft unter dem Dach und habe
auch die Zeit, noch etwas durch Worms zu bummeln. Bei einem guten Essen
lasse ich den Tag dann ausklingen.
Dienstag, o4.07.2006
Gegen 9.00 Uhr Aufbruch in Richtung Donaueschingen, wo ich zur
Mittagszeit am Hotel Ochsen eintreffe. Kurze Zeit später finden sich
auch meine Mitfahrer Traudel, Wolfram und Günni (Günter) ein. Günni
lässt es sich anschliessend nicht nehmen, mir etwas von den
Sehenswürdigkeiten der Stadt Donaueschingen – u.a. die „Donauquelle“ -
zu zeigen.
Für Abends hat Günni sogar bereits ein Grillfest bei seinem
Schwiegervater organisiert. Ein Fernseher steht ebenfalls bereit,
sodass wir uns bei einem erfrischenden Bier auch das Spiel Deutschland
– Italien ansehen können – was will man mehr!!
Mittwoch, 05.07.2006
Gegen 9.00 Uhr starten wir in Richtung schweizer Grenze ( Zurrach
). Hier treffen wir die “Swiss Winger” Erich und Rudi, welche uns an
diesem Tag ein Stück durch die schöne Schweiz begleiten.
Am Nachmittag sind bereits die ersten Pässe angesagt: Der
Glaubenbühlenpass (1.611 m, Steigung bis 12 %) - ausgeschildert als
Panoramastrasse -verbindet Giswil und und Schüpfheim (Entlebuch) im
Kanton Luzern. Im unteren Teil der Strecke gibt es sehr schöne
Aussichten auf den Sarner See und die Oberwaldener Alpen. Kurve um
Kurve führt die Bergstrasse weiter hinauf. Der Wald geht zurück, nur
vereinzelt gibt es noch Gruppen von Nadelbäumen.
Kurz darauf folgt der Brünig Pass mit 1.880 m Höhe. Der Sattel des
Brünigpasses liegt zwischen den schweizer Bergen Wielerhorn und Giebel
und verbindet das Aaretal mit dem Vierwaldstätter See.
Bald darauf erreichen wir den Grimselpass – eine der Stationen der
diesjährigen Tour de France. Der Grimselpass beginnt in Meiringen im
Berner Oberland und endet im Walliser Gletsch.
Die Strasse folgt einige Zeit dem Lauf der Aare und tritt dann in
die Granitlandschaft von Handegg über. Die Auffahrt zum 2.165m hohen
Grimselpass ist mit ihren Tunnel, Lawinengalerien und Felskuppen
überaus abwechslungsreich. Gigantische Felsplatten von bis zu
zweihundert Meter Durchmesser bedecken die Bergflanken und verleihen
dem Grimsel ein etwas bizarres Aussehen, das durch die
Hochspannungsleitungen, Aluminiumtürme, Stauwerke, Fußgängerstege und
Staumauern, die manchmal über hundert Meter hoch sind, noch verstärkt
wird. Die Strasse geht in gut ausgebauten Serpentinen in die Höhe und
erreicht schliesslich nach zahlreichen Kehren die Passhöhe. Der
Ausblick ist phantastisch. Unter uns der Grimselsee und vor uns der
Blick auf die Drei- und Viertausender der Alpen. Die Strasse schlängelt
sich zwischen Restaurants, Hotels, einer Kapelle und einigen
Souvenirläden hindurch, bevor sie den Abstieg nach Gletsch in sieben
langen Kurven in Angriff nimmt.
Auf der Talfahrt machen wir noch einen Abstecher zum 2.431m hohen
Furkapass um einen Blick auf das Jahrtausende alte Eis des
Rhonegletschers zu werfen. Leider ziehen jetzt jedoch einige
Gewitterwolken über den Berggipfeln auf, sodass wir unsere Abfahrt bald
fortsetzen müssen. Nach 320 km erreichen wir dann unser 1.
Zwischenziel, die Pension Lärch in Obergesteln am Fusse des
Grimselpasses. Gerade noch rechtzeitig, da kurze Zeit später schon das
Gewitter losbricht.
Donnerstag, 06.07.2006
Heute geht es zu unserem 2. Zwischenziel - nach Valloire in
Frankreich. Wir folgen der Strasse in Richtung Brig und dann entlang
der Rhone in Richtung Martigny. Bei Saxon biegen wir dann auf die “Tour
Sapin Haut” ab. Über eine kleine Seitenstrasse geht es von hieraus über
den Col du Tronc und den Col des Planches in Richtung Großer St.
Bernhard. Da die Wolken sehr tief hängen beschliessen wir schweren
Herzens, auf die Passfahrt zu verzichten und fahren hier durch den fast
6 km langen St. Bernhard - Tunnel. Wie sich herausstellen sollte, hat
diese Entscheidung jedoch auch eine gute Seite. Hinter dem Tunnel hat
ein Italiener am Strassenrand einen Grillwagen aufgebaut und - man
sollte es kaum glauben - hier gibt es dann ein preiswertes aber
vorzügliches Mittagessen. Die Freundlichkeit des Inhabers steigt noch
als er merkt, dass wir etwas die italienische Sprache beherrschen. Da
muss er uns natürlich noch vor der Weiterfahrt seine Meinung über das
Fußballspiel D: I mitteilen.
Über Aosta und Courmayeur geht es weiter zum Kleinen St. Bernhard.
Dieser Pass verbindet die italienische Provinz Aosta mit der
französischen Region Haute-Savoie. Bereits nach den ersten Kehren
können wir einen Blick auf die Spitze des in der Ferne liegenden Mont
Blanc werfen. Zügig geht es auf den gut ausgebauten Serpentinen voran
und bald erreichen wir den 2.188 m hohen Pass. Über 20 Kehren sorgen
jetzt auf unserer Abfahrt nach Frankreich hinein für weiteren Fahrspaß.
Auf unserem Weg liegt noch der Col de la Madeleine ( 1.911 m ) und der
1.600 m hohe Telegrafenpass bevor wir gegen 20.30 Uhr dann in unserem
Hotel “Relais du Galibier” in Valloire ankommen. Ein langer aber sehr
schöner Tag mit einer Tour von ca. 440 km (!) liegt hinter uns.
Freitag, 07.07.2006
Am Morgen ist der Himmel noch wolkenverhangen und es nieselt leicht. Wir beschliessen daher, etwas später aufzubrechen.
Gegen 10 Uhr bessert sich das Wetter und es geht los. Die Strasse
zum Col du Galibier ( 2.645 m ) schlängelt sich auf 40 Kilometern durch
eine imposante, immer karger werdende Naturlandschaft hinauf auf die
Passhöhe. Die Aussicht ist hier grandios.
Weiter geht es über die “Route des Grandes Alpes” zum nächsten
Pass. Inmitten einer zerklüfteten und einsamen Hochgebirgslandschaft
liegt der 2.361 m hohe Col d`Izoard. Aus den sanften Bögen der 50 km
langen Strasse werden enge Serpentinen. Je höher wir kommen, um so
einsamer wird die Umgebung. Oben angekommen haben wir fast den
Eindruck, bei der Tour de France dabei zu sein, so viele Rennradfahrer
treffen wir auf dem Gipfel an. Sogar ein Verpflegungszelt ist
aufgebaut. Auf der Abfahrt kommen wir zuerst durch eine bizarre
Felslandschaft, dann werden die Berghänge jedoch stetig grüner. Die
engen Kurven erfordern jedoch weiterhin unsere erhöhte Aufmerksamkeit.
Am späten Nachmittag kommen wir dann nach 330 km an unserem Ziel,
dem kleinen Städtchen “La Motte du Caire”, an. Der kleine Ort mit ca.
500 Einwohnern liegt im idyllischen „Vallee du Grand Vallon“, einem Tal
nordöstlich von Sisteron. Bekannt ist die Region für ihren Obstanbau
und ihre „Steinlandschaften“.
Da ich erst spät gebucht habe, bin ich hier auf dem ur-romantischen
Reiterhof “La Batie Neuve” untergekommen, einem liebevoll restaurierten
Anwesen mit überaus freundlichen Gastgebern. Mein Zimmer im
provençalischem Stil befindet sich unter Jahrhunderte alten
Kastanienbäumen und vermittelt den Eindruck mitten in freier Natur zu
sein.
Die anderen machen sich auf den Weg zu ihrer Unterkunft, dem ca. 3
km entfernt am Ortsrand liegenden Motorradhotel “Maison Saint Georges”.
Umgeben von Apfelplantagen befindet sich das “Maison Saint Georges” in
einem Garten mit altem Baumbestand. Nach einer ausgiebigen Dusche fahre
ich dann zum Abendessen ebenfalls zum “Maison Saint Georges”, wo nach
einem schönen Tourentag die letzten Stunden des Tages bei leckerer
Pasta, Lachs und einem frischen Bier ausklingen.
Samstag, 08.07.2006
Die erste große Tour in den Bergen der „Haute-Provence“. Beginnend
mit den Serpentinen “Les Tourniquets”, wenige km von La Motte du Caire
entfernt, geht es durch eine grandiose Landschaft über den Col des
Sagnes und dem Col des Garciniers auf das “Dach der Alpen”, den
einsamen und rauen Col de la Bonette; dem mit 2.802 m höchsten
offiziell anfahrbaren Punkt in den Alpen. Der Zustand der Strasse
wechselt ständig von breit nach schmal, von gut ausgebaut nach
holperig. Aufmerksamkeit ist in den zahlreichen Spitzkehren gefragt.
Schnell verschwinden grüne Wälder und Berghänge und machen grauem,
blanken Fels Platz. Gesamttour heute: 240 km.
Sonntag, 09.07.2006
Mein Rücken schlägt mir vor, heute etwas auszuspannen. Nach ca. 50
km und inmitten einer Wildnis von Felsen und Bäumen lasse ich daher die
Anderen für heute ziehen. Ich stelle meine Silver Wing am Straßenrand
ab und suche mir auf der Straßenkarte die Rückfahrt heraus. Plötzlich
eine Bewegung. Ich denke, ich bin in einem schlechten Film. Wie in
Zeitlupe neigt sich die Siwi. Fast 240 kg liegen plötzlich neben mir
auf dem Schotter. Schei... Nach 1/2 Stunde kommt endlich ein Auto
vorbei und ein freundlicher, stets lächelnder Portugiese ( nicht
Franzose! ) hilft mir, die Siwi wieder aufzurichten. Glücklicherweise
hat sie bis auf ein paar Schrammen am Seitenkoffer nichts abbekommen.
Den Rest des Tages verbringe ich im Schatten alter Kastanienbäume
auf dem Reiterhof. Abend bekomme ich von meiner netten Wirtin sogar
noch ein Abendessen und werde auf die Terrasse eingeladen, das Endspiel
der Fussballweltmeisterschaft anzusehen. Was will man mehr – so ist das
Leben.
Montag, 10.07.2006
Alles geht einmal zu Ende. Während die anderen sich erneut
aufmachen, die Pässe zu bezwingen ist mein Ziel heute das 160 km
entfernte Avignon. Noch einmal geniesse ich Kurven und Landschaft pur.
Nebenstrassen führen mich. durch eine fast menschenleere Gegend aus
sanftgrünen Hügeln, alpiner Berglandschaft und rustikalen
Natursteindörfchen - eine charmante Fahrt durch südfranzösische
Lebensart und Kultur. Ich fahre über Sisteron durch das “Vallee du
Jarbon” nach Montbrun-les-bains. Die eng aneinander an einer Felswand
errichteten Häuser erinnern an eine Orgel, deren Pfeifen sich gen
Himmel recken. Die mit ockerfarbenen Dachziegeln bedeckten Bauten in
erheben sich auf 3 bis 4 Etagen und sind an der Basis breiter, so als
müssten sie ihre Wurzeln ganz tief in den Felsen graben.
Weiter führt der Weg durch das “Pays de Sault”. Schaut man
hinunter in die Ebene, so scheint es, als spiegele sich der Himmel in
den wie rechteckige Wasserflächen angeordneten Lavendelfeldern. Unter
der glühenden Sommersonne brennt das Blau, und der Duft des Lavendels
betört die Sinne. Die Stadt Sault selber liegt auf einem Felsvorsprung
und man hat einen wundervollen Blick über das Land.
Gegen 14.00 Uhr erreiche ich Avignon. Bei über 40 Grad wechsle ich
erst einmal die Kleidung. Erstmalig sind jetzt Jeans angesagt. An eine
Besichtigung der Altstadt ist bei diesen Temperaturen aber leider nicht
zu denken. Es ist nur noch Schatten angesagt.
Gegen 16.00 Uhr fahre ich zur Station des Autoreisezuges in
Avignon-Süd. Im Liegewagen geht es um 20.00 Uhr 1.000 km zurück nach
Düsseldorf. Bedauerlicherweise funktioniert die Klimaanlage in meinem
Abteil die ersten Stunden überhaupt nicht und den Rest der Nacht nur
wenig. An Schlaf ist kaum zu denken und der Schweiß läuft in Strömen.
Aber glücklicherweise habe ich nette „Abteilbewohner“ und jede noch so
heiße Nacht geht einmal vorbei.
Dienstag, 11.07.2006
Gegen 8.00 Uhr Ankunft in Düsseldorf. Noch 50 km liegen vor mir.
Eine Kleinigkeit nach über 2.000 wunderschönen Roller-Kilometern, die
hinter mir liegen.
Was noch interressant sein könnte:
Unsere Motorroller:
3 Honda Silver Wing FJS 600 – Kings of Scooters, welche ihre
hervorragenden Fahreigenschaften auf Landstrassen und in den Bergen
stets bewiesen haben.
Die Strecke:
Donaueschingen - Zurrach/Schweiz - Dagmersellen - Wolhusen -
Entlebuch - Chlus - Steinibach - Sörenberg - Giswil - Lungern -
Meiringen - Innertkirchen - Grimselstrasse - Gletsch - Oberwald -
Obergesteln - Brig - Naters - Sion - Saxon - Levron - Orsieres - Gr.
St. Bernhard - Aosta - Courmayeur - Kleiner St. Bernhard - Moutiers -
Col de la Madeleine - Valloire - Col du Galibier -Embrun - Lac de
Serre-Poncon - Espinasses - La Motte du Caire -Sisteron -
Montbrun-les-bains - Sault - Avignon
Bilder der Tour:
Findet man unter http://www.peter-mertens.medion-fotoalbum.de
Unsere Unterkünfte:
Hotel Ochsen / Donaueschingen
Pension Lärch / CH-3988 Obergesteln
Reiterhof „La Bâtie Neuve“ / F-04250 La Motte du Caire
Motorradhotel “Maison Saint Georges” / F-04250 La Motte du Caire